Fortsetzung Zeitung
1/2004
Herzinfarkt – was sie wissen
sollten
Was ist eine
Elektro-Kardiographie?
Bei der
Elektro-Kardographie (EKG) werden die elektrischen Aktivitäten des Herzens
abgeleitet und in Form von Kurven im Elektro-Kardiogramm (auch EKG)
aufgezeichnet. Im Herzen entsteht bei jedem Schlag ein schwacher Strom mit einer
Spannung von ca. 1/1000 Volt. Das EKG ist damit Ausdruck des Verlaufes der
Herzerregung.
Wie funktioniert die
Elektro-Kardiographie?
Im Herz befindet
sich ein spezielle Reizbildungs und –leitungssystem, in dem die elektrische
Erregung entsteht und sich ausbreitet. Dadurch wird die Kontraktion des Herzens,
also seine Pumpfunktion ermöglicht.
Die Erregung hat
ihren Ursprung im Sinusknoten, einem bestimmten Bereich im rechten Vorhof des
Herzens. Der Sinusknoten wird auch als Schrittmacher bezeichnet, da er das Herz
mit einer bestimmten Frequenz antreibt. Vom Sinusknoten gelangt der elektrische
Impuls über die Muskulatur der beiden Vorhöfe des Herzens auf den AV-Knoten, der
als Ventil für die Erregungsweiterleitung auf die Herzkammer dient. Vom
AV-Knoten, der als Ventil für die Erregungsweiterleitung auf die Herzkammern
dient. Vom AV-Knoten wiederum breitet sich die Erregung über das
Reizleitungssystem auf die Muskulatur der beiden Herzkammern aus.
Diese elektrischen
Impulse werden mit Hilfe von Elektroden (Metallplättchen) abgeleitet. Die
Elektroden werden dazu auf den Armen, Beinen und dem Brustkorb angebracht. Ein
EKG-Gerät verstärkt diese Impulse und stellt sich entweder als EKG-Kurve auf
einem Bildschirm dar oder druckt sie auf einem Papierstreifen aus.
Wozu braucht man eine
Elektro-Kardiographie?
Der Arzt erhält
durch das Elektro-Kardiogramm Auskunft über:
o Herzrhythmus und
–frequenz
o Störungen der
Erregungsbildung, -ausbreitung und –rückbildung im
Erregungsleitungssystem und in der
Herzmuskulatur
o Lagetyp des
Herzens im Brustkorb: Er wird durch die Hauptrichtung der
Erregungsausbreitung des Herzens
im EKG ermittelt.
Durch
Kurvenveränderungen im Elektro-Kardiogramm können folgende Erkrankungen erfasst
werden:
o Herzinfarkt: Bei
einem Infarkt werden Herzmuskelzellen zerstört. In
diesem zerstörten Bereich kann
folglich keine Erregung mehr stattfinden,
was wiederum zu typischen Signalen
im EKG führt.
o Erkrankungen der
Herzkranzgefäße: Durch geringere Durchblutung eines
bestimmten Muskelareals kommen
Erregungs-Rückbildungsstörungen
zustande.
o Überdosierung
bestimmter Medikamente
o Mangel oder
Überfluss bestimmter Mineralstoffe: Einige von den
Mineralstoffen beeinflussen
nämlich die Reizleitung.
o Vorhofflimmern
oder –flattern und Kammerflimmern oder –flattern
o Zu langsamer
Herzschlag (Bradykardien) bei Erkrankungen
des Sinusknotens oder
AV-Knotens
o
Herzmuskel-Entzündung (Myokarditis)
o
Herzbeutel-Entzündung
(Perikarditis)
Auch Behandlung und
Verlauf verschiedener Herzerkrankungen werden oft mittels EKG
kontrolliert.
Wie wird die
Elektro-Kardiographie durchgeführt?
Vor jedem EKG sollte
der Patient dem Arzt mitteilen, welche Medikamente er einnimmt, denn manche
Medikamente können die Herzaktivität beeinflussen.
Bei einem Ruhe-EKG
liegt der Patient entspannt da, er befindet sich also
im körperlichen
Ruhezustand.
Bevor die
Messeelektrode auf die Haut aufgesetzt werden, müssen bei starker Brustbehaarung
die Haare teilweise abrasiert werden.
Dann wird ein
elektrisch leitendes Gel oder Desinfektionsmittel auf die Messpunkte
aufgetragen. Die Messpunkte befinden sich auf allen vier Extremitäten und der
Brustwand. Dabei werden der Brustwand sechse Elektroden in bestimmter
Reihenfolge angebracht. Die Elektroden sind mit dem EKG-Gerät verbunden, über
das nun die elektrische Herzaktivität gemessen wird.
Nach der
Untersuchung entfernt der Arzt die Messelektroden wieder und wertet das EKG
aus.
In bestimmten Fällen
wird ein Belastungs-EKG durchgeführt. Beim Belastungs-EKG muss der Patient
entweder auf einem Laufband gehen oder auf einem fixierten Fahrrad fahren.
Allerdings darf das Belastungs-EKG unter folgenden Umständen nicht durchgeführt
werden:
Ø
Bei akutem Herzinfarkt
Ø
Bei stark erhöhtem Ruhe-Blutdruck
Ø
Bei akuter Herzmuskel-Entzündung
(Myokarditis)
Ø
Bei fieberhaften Infekt
Sonst würde das
bereits ausgelastete Herz in diesen Fällen überlastet werden.
Ein Belastungs-EKG
ist sinnvoller bei:
Ø
Verdacht auf Erkrankung der
Herzkranzgefäße
Ø
Verdacht auf Belastungshypertonie (krankhafte
Erhöhung des Blutdrucks unter Belastung)
Ø
Der Beurteilung von Herzrhythmus-Störungen
unter Belastung
Ø
Der Beurteilung der medikamentösen Therapie
von Herzkranzgefäß-Erkrankungen oder Blutdruckerhöhung
Ø
Der Abklärung der Belastbarkeit nach einem
Herzinfarkt oder nach Herzoperationen
Ein Langzeit-EKG
zeichnet die elektrische Herztätigkeit meist über einen Zeitraum von 24 Stunden
auf.
Dabei ist es
wichtig, dass der Patient sowohl seine Beschwerden als auch seine Tätigkeiten in
diesen 24 Stunden beobachtet und danach dem Arzt mitteilt. Das EKG-Gerät ist in
diesem Fall besonders klein, so dass der Patient es beispielsweise am Gürtel
tragen kann.
Mit Hilfe eines 24
Stunden-EKGs kann der Arzt Herzrhythmus-Störungen erkennen oder die Therapie bei
Herzrhythmus-Störungen kontrollieren. Auch ist es das geeignete Verfahren, um
einen Herzschrittmacher nach
dessen Implantation
zu prüfen und außerdem eine Erkrankung der Herzkranzgefäße zu
beurteilen.
Welche Komplikationen können
bei der Elektro-Kardiographie auftreten?
Ein Ruhe-EKG ist
ungefährlich.
Beim Belastungs-EKG
können in seltenen Fällen bei stark verengten Herzkranzgefäßen Brustschmerzen,
Kammerflimmern oder sogar ein Herzinfarkt auftreten. Der Arzt wird in diesen
Fällen sofort die notwendigen medizinischen Maßnahmen einleiten.
Welche alternativen
Untersuchungsmöglichkeiten gibt es?
Zu Beurteilung der
Pumpfunktion des Herzmuskels und der Herzklappen kann der Arzt auch ein
Herzultraschall (Echokardiographie) erstellen.
Die
Herzkatheder-Untersuchung ermöglicht eine sehr genaue Darstellung von
Erkrankungen der Herzkranzgefäße und auch des Ausmaßes von Herzklappenschäden.
Blutuntersuchungen
sind zusätzlich wichtig. Bei einem Herzinfarkt steigen z.B. bestimm Enzyme, die
im Herzmuskel enthalten sind, im Blut an.
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